Musikkindergarten Bubenreuth

Friedrich Fröbel kennt jeder. Doch wer ist Gertrud Fischer?

Der erste Kindergarten wurde 1840 vom Ziehvater der Nation in Bad Blankenburg gestiftet. In allen Sprachen der Welt hat sich seither der deutsche, von Fröbel geprägte Begriff für die neue Einrichtung zur Früherziehungvon Kindern etabliert.

Dass der erste Musikkindergarten Deutschlands in den 1950er Jahren in der klingenden Gemeinde Bubenreuth gegründet wurde, ist im Vergleich dazu kaum bekannt. Ganz zu schweigen von der Gründerin.

Die als Betriebskindergarten der Firma Framus (Fränkische-Musikinstrumenten-Erzeugung) initiierte Einrichtung wandelte die Kindergärtnerin Gertrud Fischer (1920-2009), liebevoll Tante Gertrud genannt, im Laufe des Jahres 1954 in einen Musikkindergarten um. Fischer entwickelte für die Kinder die "bunten Notenmännlein" - ein Programm zur musikalischen Früherziehung, das ab Ende der 1950er Jahre sehr populär und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Sogar "Papa Heuß" (Bundespräsident Theodor Heuß) warb damals für Tante Gertruds Notenmännlein, die an ihren verschiedenen Farben zu erkennen sind. Fischers System gilt als das älteste seit dem Zweiten Weltkrieg, das sich mit musikalischer Früherziehung befasst. Mittlerweile aus musikpädagogischer Sicht überholt, ist man im Bubenreuther Musikkindergarten noch heute stolz auf die Gründerin.

Mit dem Niedergang der Firma Framus dohte 1977 dem Kindergarten das Aus. Ein eigens gegründerter Trägerverein wusste dies zu verhindert, der mittlerweile fast 40 Jahre lang besteht. Seit 1983 residiert der traditionsreiche Kindergarten im ehemaligen Pfarrhaus der Geigenbauersiedlung in der 2009 nach dem einstigen Landrat benannten Willi-Hönekopp-Strasse.

 

  

     

 

Die Framus-Werke Ende der 1960er Jahre, oben rechts das heutige Rathaus (damals Framus-Verwaltungsgebäude)
und der kleine Anbau ans Werk im Vordergrund an der Binsenstraße war das Gebäude des Musikkindergartens,
eigens dafür gebaut, und mit dieser Nutzung von 1957-1977.

 

Text und Bilder von Dr. Christian Hoyer (www.hoyer-history.de)